Trinity ist im Jahre 1997 bei dem Verlag White-Wolf unter dem Namen Æon erschienen. Der Name mußte später aufgrund rechtlicher Probleme in Trinity geändert werden. Es ist eines von inzwischen drei Rollenspielen, die im sogenannten Aeonverse oder Aeonkontinuum angesiedelt sind.
Die anderen beiden sind Aberrant und Adventure, die zeitlich vor Trinity angesiedelt sind. Aberrant spielt 2008 und Adventure 1923 (mehr über das Aeonverse).

Diese Spiele stehen in keinem Zusammenhang mit der World of Darkness, einer anderen Produktlinie von White-Wolf. Trotzdem gibt es in der Art des Systems Parallelen. Trinity nutzt ein weiterentwickelte Form des W10 Systems, daß so typisch für die Produkte von White-Wolf ist. Hierbei würfelt man einen Würfelvorrat an W10 (üblicherweise aus der Addition eines Attributes und einer Fertigkeit) und jeder Wurf, der eine Sieben oder mehr zeigt ist ein Erfolg.
Zeigt kein Würfel Sieben oder mehr, so ist der Wurf fehlgeschlagen. Wurden zusätzliche eine oder mehrere Einsen gewürfelt ist es nicht nur ein Fehlschlag, sondern sogar ein Patzer, der möglicherweise verheerende Folgen hat.

Das System unterscheidet sich zu den alten System darin, das immer gegen Sieben gewürfelt wird, nicht gegen verschiedene Schwierigkeiten. Desweiteren ziehen Einsen keine Erfolge mehr ab, was die Wahrscheinlichkeit eines Patzers senkt. Der Vorteil ist dabei, daß man nicht immer gegen eine unterschiedliche Schwierigkeit würfelt, was zusätzliche Zeitaufwand beim Nachschlagen, oder einen erhöhten Aufwand beim Erlernen der Regeln bedeutet.
Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, daß man nach einigen Würfen schneller die Erfolge gezählt hat, da man sich nur auf eine Erfolg - Mißerfolg - Grenze konzentrieren muß. Der Schwierigkeitsgrad der durchgeführten Aktion läßt sich trotzdem weiterhin gut über die Anzahl der Erfolge kontrollieren, vielleicht sogar besser, da man schneller ein Gefühl dafür bekommt, wie schwierig es ist mit einer bestimmten Anzahl von Würfeln eine Anzahl von Erfolgen zu erzielen.
Eine Übersicht über die Wahrscheinlichkeiten findet sich hier.

Auch bei der Anwendung der psionische Fähigkeiten wurde eine Vereinfachung vorgenommen, da man immer eine Anzahl Würfel benutzt, die dem Psiwert des Charakters entsprechen, wenn eine der Kräfte einsetzt wird, wodurch man sich nicht mehr viele Kombinationen von Fertigkeiten merken muß.
Es zeigt sich auch deutlich, daß das Spielsystem so gestaltet wurde, daß dem Storytelling gegenüber dem Powergaming weiter Vorschub geleistet wird. Die Anzahl der psionischen Fähigkeiten (Modi) ist begrenzt, ein Charakter kann nur die drei Fähigkeiten seines Ordens vollständig erlernen, zusätzlich nur drei Fähigkeiten fremde Orden auf Stufe eins. Auch das Konzentrieren auf einen einzelnen Modus wird durch psychologische Nachteile bestraft.
Das Horten von Biotechnologie, dem Trinityanalogon zu magischen Gegenständen, wird durch Punktekosten der einzelnen Gegenstände stark eingeschränkt. Ein Psioniker kann nur so viele Punkte an Biotechnologie mit sich führen, wie sein Psiwert angibt.
Alles in allem sind Psioniker normalen Menschen immer noch Überlegen, aber eben nicht so haushoch, wie die Protagonisten manch anderer Spiele.

Kommen wir vom System zum Spiel selber. Obwohl Trinity als erstes der drei Aeonversespiele erschienen ist, setzt es den Handlungsfaden der beiden anderen geschickt fort. Die Aberranten, die noch in Aberrant die Helden des Spiels waren sind nun der größte Feind der Menschheit, um nur ein Beispiel zu nennen. Obwohl man jedes der drei Spiele hervorragend spielen kann, ohne auch nur ein Regelwerk der anderen gelesen zu haben, ergeben alle zusammen einen Handlungsstrang von epischer Breite.
Doch ist es gerade Trinity, das einem die meisten Möglichkeiten der Weiterentwicklung läßt. Die Geschichte vor 2120 ist gerade so gestaltet, daß man an einer Stelle in die Zeitlinie einsteigt, die vielfältige Wege vorschlägt, die man mit einer Spielrunde einschlagen kann.
Für jeden Geschmack ist etwas dabei, wer es etwas action-lastiger mag kann sich dem Kampf gegen die Aberranten widmen, wer ein Anhänger der Space-Opera ist folgt der Menschheit bei der Wiedereroberung des Raumes. Für die feinen Finessen der Diplomatie kann man sich dem Ränkespiel der Orden oder der Aeon Trinity hingeben und vieles mehr.

Es gibt für Trinity ein reichhaltige Fülle an zusätzlichen Quellenbüchern, von denen es leider nur sehr wenige auf Deutsch gibt. Ein weiterer Wermutstropfen ist, daß White-Wolf das Trinity Programm nicht mehr weiterentwickelt. Allerdings kursieren im Netz hartnäckige Gerüchte über eine Neuauflage der Aeon Kontinuum Spiele. Trotzdem ist es relativ einfach möglich die meisten der Quellenbände noch zu bekommen, manchmal sogar zu einem attraktiven Preis. Hier ist ein Überblick über die Bücher.
Positiv kann auch noch bemerkt werden, daß die Fangemeinde von Aeon zwar nicht riesig groß, aber dafür sehr aktiv ist, es gibt eine Menge ausgezeichnetes Quellenmaterial kostenlos als E-Book im Internet, einige Links findet man hier.